40 Jahre Kiekbast

20.02.2019

Die „Kiekbast“, wie das AWO Seniorenzentrum im Bochumer Stadtteil Werne liebevoll genannt wird, feiert in diesem Jahr ihr 40 jähriges Bestehen. Grund genug, dieses Ereignis groß zu feiern. Wir wollen heute aber die Gelegenheit für eine kleine Rückschau nutzen: Seit der Gründung unserer Einrichtung hat sich das Haus äußerlich kaum verändert. Die Fassade mag nicht mehr zeitgemäß erscheinen und die schwarze Mauerverkleidung stößt nicht bei jedem Ästhet auf Gegenliebe. Viel wichtiger erscheint uns aber, was „drin steckt“ im Hause. Bereits vor rund 10 Jahren, also lange vor der endgültigen gesetzlichen Frist, wurde das Haus von 115 Plätzen auf 85 Plätze verkleinert. Hintergrund waren die damals schon zu kleinen Doppelzimmer, in denen eine individuelle Gestaltung kaum möglich war. Es folgte eine helle Farbgestaltung der öffentlichen Bereiche und mit neuester LED-Technik wurden die an vielen Stellen fensterlosen Flure freundlich ausgeleuchtet. Über die Jahre hat in der Bewohnerschaft ein Generationenwechsel stattgefunden, so dass die dekorative Gestaltung der Inneneinrichtung nicht mehr dem Geschmack vieler Bewohner entsprach. Auch hier haben wir nachgearbeitet und -die Gelsenkirchener mögen es uns verzeihen- eben jenen vielzitierten Barock ausgedünnt. Die Gestaltung ist nun nicht hochmodern, aber mit einer Mischung aus einem Retro-Look und Funktionalität fühlen sich unsere Bewohner offenbar angesprochen. Bald folgt -und damit sind wir dann tatsächlich im modernen Zeitalter angekommen- eine flächendeckende Anbindung an das Internet, denn immer mehr Senioren bringen (selbstverständlich) ihren Laptop mit. Was „steckt noch drin“ in unserem Hause? Natürlich unser grundsätzlicher Auftrag, pflegebedürftigen Menschen Unterstützung und Hilfe zu leisten. Die Altenpflege selbst hat sich im Laufe der Zeit auch verändert und mit ihr die Anforderungen an das Berufsbild von Beschäftigten in der Altenpflege. Allein über diese Entwicklung könnte man Bücher schreiben – es würde hier aber den Rahmen sprengen. Wichtig zu erwähnen ist, dass unsere Mitarbeiter eine hochprofessionelle Arbeit leisten, für die eine hohe Fachkompetenz erforderlich ist. Ob die Umsetzung neuester medizinisch-pflegerischer Standards oder ernährungsphysiologischer Erkenntnisse, das Reagieren auf neue gesetzliche Anforderungen und Durchführungsverordnungen, die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern sowie anderen fachspezifischen Berufsgruppen, und und und…. und mitten drin: Der Bewohner – sozusagen also der Mensch an sich. Ihm ist wichtig, ob die Reibekuchen dünn und knusprig gebraten sind. Mit 93 Jahren liegt die Priorität nämlich nicht darauf, ob die Ernährung ausgewogen und vitaminreich ist, sondern ob es grünen oder roten Wackelpudding zum Nachtisch gibt. Und wer zeitlebens über seine eigene Körperpflege bestimmt hat, dem sind im hohen Alter Pflegestandards ziemlich wurscht. Und genau da beginnt der Spagat für jeden einzelnen Mitarbeiter. Nur mit einem hohen Maß an Empathie, Weitblick und Fingerspitzengefühl sind die Brücken zwischen einer individuellen Betreuung, einer professionellen Arbeit und der Autonomie des Bewohners zu begehen. Und mal ganz ehrlich: Welcher Senior zieht freudestrahlend bei uns ein? Es ist ein Muss, weil es daheim allein nicht mehr funktioniert, weil pflegende Angehörige es nicht mehr schaffen, weil es auch mit Hilfe eines ambulanten Dienstes nicht mehr geht. Dann muss die gewohnte Wohnung, die vertraute Umgebung verlassen werden. Ein Umstand, der dem alten Menschen Angst macht, der mitunter niederschmetternd und hoffnungslos erscheint. Angehörige plagt oft ein schlechtes Gewissen. Auch damit müssen unsere Mitarbeiter umgehen und alles zusammen erfordert eine hohe psychische Belastbarkeit. Wir können niemandem das Zuhause ersetzen und auch niemandem sein früheres Leben zurückbringen. Die Arbeiterwohlfahrt begeht in diesem Jahr ihren einhundertsten Geburtstag unter dem Motto „100 Jahre Menschlichkeit“. Bei aller erforderlichen und gebotenen Professionalität ist es genau die Menschlichkeit, die auch in der „Kiekbast“ im Vordergrund steht: Wir setzen auf den Moment und wir versuchen, viele schöne Momente an jedem einzelnen Tag für unsere Bewohner zu schaffen. Das ist nicht immer einfach - weder für unsere Mitarbeiter, erst recht nicht für die Bewohner oder auch deren Angehörige. Wir wollen oft gemeinsam Lachen und wir versuchen zu trösten, wenn unseren Bewohnern eher zum Weinen zu Mute ist, weil das Schicksal zu hart zugeschlagen hat. Wir sind ein guter Plan B, wenn es daheim nicht mehr funktioniert. All das steckt drin in unserem Haus. Wen interessiert da die Fassade?

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